geschrieben von NAIRI RIGON
Wir reisen für die Arbeit, um auf Urlaub zu fahren oder einfach nur aus Freude am Reisen. Reisen ist heute Teil unseres Lebens; ein Flugzeug zu nehmen ist gleichbedeutend mit einem Zug oder Bus. Jegliche Art der Fortbewegung ist schnell und einfach geworden, egal wo auf der Welt wir uns befinden. Viele von uns haben ziehen regelmäßig um und haben keinen festen Wohnort an dem sie immer bleiben. Für mich ist das Reisen eine echte Lebenseinstellung. Ich genieße es, in einem Van zu leben, neue Kulturen zu erkunden und neue Anregungen und Inspirationen zu suchen. Mein Partner und ich haben beschlossen, unser Leben unseren Leidenschaften zu widmen: Yoga, Klettern und dem Kontakt mit der Natur.
Kann man unterwegs regelmäßig Yoga machen?
Es gab nur eine Sache, die mir anfangs Angst machte, bevor ich mich auf diesen „digitalen Nomaden“-Lebensstil – so wird er genannt wird – einließ, und das war, wie ich meine Yogapraxis mit dem Leben im Van vereinbaren würde. Ich dachte immer, fälschlicherweise, dass die Praxis an einen eigenen „heiligen“ Ort in unserem Haus gebunden sein müsste. Ich dachte, man bräuchte immer sanftes Licht und Weihrauch, um mit dem Üben beginnen zu können. Werde ich trotzdem in der Lage sein, meine Praxis jeden Tag zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten in der Natur durchzuführen? Ist das eine zu große Veränderung , die meine tägliche Praxis beeinträchtigt?


Wir machten uns auf den Weg, überwältigt von der Sehnsucht nach neuen Abenteuern und der Lust, dem Verkehr der Großstadt zu entkommen. So begann ich, Yoga im Freien zu praktizieren, anfangs mit einigen Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren, aber langsam gewöhnte ich mich daran. Langsam änderte ich meine Sichtweise: Ich sagte mir, dass Yoga nicht nur das ist, was wir auf der Matte machen, sondern auch außerhalb davon. Mir wurde klar, dass ich nicht länger Yoga machen, sondern Yoga sein wollte. Ich wollte Yoga auf alle Ebenen meines Lebens und in alle Situationen bringen, auch und gerade in die undenkbarsten. Angefangen beim Reisen. Denn Reisen bedeutet, dass wir uns auch außerhalb der bequemen Wände unseres Zuhauses kennen lernen.
Ich möchte einige Lektionen, die ich auf meiner Reise gelernt habe, teilen, damit sie auch andere auf ihren Reisen, ob kurz oder lang, in die Praxis umsetzen können.
Als Erstes sollte man sich auf Reisen eine Yogamatte zulegen, die leicht zu transportieren, leicht und nicht sperrig ist. Die richtige Matte zu haben, ist fundamental um uns die richtige Motivation zu geben, den ersten Schritt zu unserer täglichen Praxis zu machen. Wenn das geschafft ist, läuft alles von alleine!
Es kann unpraktisch sein, eine klassische Yogamatte mitzunehmen, genauso wie es nicht ratsam ist, eine sehr dünne Matte mitzunehmen, die nicht den richtigen Halt bietet: Die ideale Lösung ist, eine Reisematte aus Stoff zu kaufen, ich zum Beispiel benutze Grippy Boo Reyoga.


Zweitens ist es wichtig ein Ritual zu schaffen, eine Geste, auch wenn man unterwegs ist, die uns sagt: „Es ist Zeit zum Üben.“ Es kann ein Lied sein, das wir hören, ein Mantra, das wir rezitieren, oder irgendetwas, das wir wiederholen können und das die richtige Atmosphäre schafft.
Denken wir auch daran, zu akzeptieren, dass es schlechte Tage gibt, an denen wir keine Lust haben, auf die Matte zu gehen, wenn wir zum Beispiel müde oder gestresst sind oder etwas anderes zu tun haben. Die Welt dreht sich weiter und auch wenn man einen Tag kein Yoga macht, sollte man sich keine Vorwürfe machen, sondern es mit Gelassenheit nehmen.
Ein letzter Tipp für alle, die unterwegs Yoga machen wollen, ist, die Praxis mit den Menschen in unserer Umgebung zu teilen. Unser(e) Partner, unsere Nachbarn im Van und unsere Kletterfreunde am Felsen. Auch wenn wir unterwegs sind, sollten wir andere Menschen einbeziehen, um mit uns zu üben. Das hilft, Motivation und Energie zu tanken!
Gute Reise und gutes Training euch allen!
Nairi

Nairi ist eine Odaka-Yogalehrerin und Ashtanga-Praktizierende. Sie studierte mehrere Jahre lang als Autodidaktin, zog dann für die Arbeit nach Mailand und begann mit Ausdauer und Hingabe zu praktizieren. Nach ihrem ersten Teacher Training im Jahr 2020 beschloss sie, ihr Leben zu ändern und wurde Yogalehrerin. Heute lebt sie in Madrid, morgen wer weiß.
Im September 2020 gründete sie zusammen mit ihrem Partner Lorenzo, einem Profikletterer, das Projekt „As We Flow“. Der Traum, so verbunden wie möglich mit der Natur und ihren Leidenschaften zu leben, nimmt Gestalt an. 8 Stunden vor dem PC zu sitzen, abgekoppelt von der Realität, war eine Zukunft, aber vor allem eine Gegenwart, die Nairi nicht mehr leben wollte.
Sie wurde sich bewusst, dass Yoga das war, was sie tun wollte, und so beschloss sie, alles stehen und liegen zu lassen und sich auf ein Abenteuer einzulassen. Nach einer mehrmonatigen Reise durch Europa machte sie in Madrid Halt, um das zu tun, was sie liebt, mit den Menschen, die sie liebt, an den Orten, die sie liebt.
„Es kostet viel Energie, aber wenn die Arbeit mit der Leidenschaft zusammenfällt, fühlt es sich gar nicht wie Arbeit an“, sagt Nairi, „ich fühle, dass ich auf einer Reise bin, aber die Reise ist noch nicht zu Ende.
Die Nairi, die ich gestern war, ist nicht die Nairi, die ich heute bin, und wird auch nicht die Nairi von morgen sein. Glück ist eine Reise, die ein Leben lang dauern kann. Es ist ein Fluss und ich bin voll dabei.“
Folge ihr auf Instagram: @nairi.rigon